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《Der Bruder(Live From Germany / 1999)》歌词

所属专辑: Lampenfieber (Live) 歌手: Reinhard Mey 时长: 08:24
Der Bruder(Live From Germany / 1999)

[00:08:24] Ich komm‘ raus aus dem kühlen Fast-Food-Restaurant

[00:08:24] Am frühen Nachmittag in Gottes eignem Land

[00:08:24] Zwischen Cottondale und Springfield, irgendwo am Highway 231.

[00:08:24] Wie ein Faustschlag kommt die Hitze und kein Windhauch regt

[00:08:24] Sich, die Coladose in meiner Hand beschlägt,

[00:08:24] Und das große, grüne Mietauto da vorne auf dem Parkplatz, das ist meins.

[00:08:24] Drei Tage hab‘ ich noch, das heißt, drei Tage nur,

[00:08:24] ‘ne Woche Urlaub, viel zu kurz für so ‘ne Tour,

[00:08:24] Du bleibst immer an der Oberfläche, tiefer siehst du einfach nicht.

[00:08:24] Ich lass‘ mich hinters Steuer fallen, lass‘ den Motor an,

[00:08:24] Die Knöpfchen gehn von ganz alleine runter und dann

[00:08:24] Faucht die Klimaanlage mir den Alabama Sommer vom Gesicht.

[00:08:24] Und als ich aufseh steht da dieser Mann neben mir,

[00:08:24] Ein Schwarzer und er legt die Hand auf meine Tür,

[00:08:24] Legt seine Hand auf den Türgriff aus blitzendem Chrom.

[00:08:24] Und er hält ein bekritzeltes Stück Pappe an

[00:08:24] Die grüngetönte Seitenscheibe und ich kann

[00:08:24] Mit Mühe nur ein Wort entziffern, irgendwas wie "Home".

[00:08:24] Total daneben und ziemlich abgerissen sieht er aus.

[00:08:24] Pass auf, gleicht holt er seine 44er Magnum raus,

[00:08:24] Genau wie ich es im Kino tausend mal gesehen hab‘.

[00:08:24] Er lächelt müde und seine Zähne schimmern weiß,

[00:08:24] Aus seinen Haaren und von seinem Gesicht perlt der Schweiß

[00:08:24] In glänzenden Rinnsalen in sein zerschliss‘nes T-Shirt hinab.

[00:08:24] Und mein Polster ist weich und das Six-Pack zur Hand,

[00:08:24] Und der Motor säuselt wie ein Morgenwind im Stand

[00:08:24] Und das Leder ist glatt und kühl an meiner Haut.

[00:08:24] Du hast ein Auto, das ist dreimal so lang wie dick,

[00:08:24] Du bist allein und du hast Zeit, du meidest seinen Blick,

[00:08:24] Hast du Angst oder was, oder denkst du, dass er dir die Cola klaut?

[00:08:24] Und ich schüttel‘ den Kopf, wirklich Mann, tut mir leid.

[00:08:24] Das Thermometer steht auf 104 Grad Fahrenheit.

[00:08:24] Die Reifen quietschen beim Rangier‘n auf dem weichen, klebrigen Asphalt.

[00:08:24] Und ich seh ihn auf dem glühend heißen Parkplatz stehn

[00:08:24] Ich kann ganz deutlich dieses traurige Lächeln sehn,

[00:08:24] Und im Rückspiegel die große, unschlüssige, gotttverlassene Gestalt.

[00:08:24] Die Straße zieht sich im flirrernden Licht vor mir hin,

[00:08:24] Mit geht diese Begegnung einfach nicht aus dem Sinn,

[00:08:24] Wie er fragend in der abgeriss‘nen Latzhose vor mir stand.

[00:08:24] Und du malst dir gleich ‘nen ganzen Horrorfilm aus, -

[00:08:24] Ein Feldarbeiter war das, wollte nichts als nachhaus,

[00:08:24] Und du lässt den Menschenbruder einfach stehn am Straßenrand!

[00:08:24] "Hast ihm das Fenster nicht mal einen Spaltbreit aufgemacht

[00:08:24] Du hast nur weggesehen, nur weggesehen!" grummelt der V8.

[00:08:24] Und die Air Condition zischelt: "Ein schöner Menschenfreund bist du!"

[00:08:24] Und die Reifen summen: "Hat man sowas schon gesehn,

[00:08:24] Lässt den Bruder auf dem sonnenglüh‘nden Parkplatz stehn!"

[00:08:24] Und die Fugen in der Fahrbahn rumpeln: "So kommst du nicht zur Ruh‘!".

[00:08:24] Die nächste Ausfahrt raus und wenden und den Weg zurück.

[00:08:24] ‘ne halbe Stunde Weg und mit ‘nem kleinen bisschen Glück

[00:08:24] Ist er noch da und ich schwör, dann fahr‘ ich ihn, wohin immer er will.

[00:08:24] Lass ihn noch da sein, nur ‘ne Viertelstunde noch,

[00:08:24] Nur drei Minuten, geh nicht weg, Mann, ich fahr dich doch!

[00:08:24] Und da endlich liegt der Parkplatz und er ist verwaist und still.

[00:08:24] Manchmal glaub‘ ich ihn zu sehn da am Straßenrand,

[00:08:24] Manchmal könnt‘ ich schwör‘n, ich hab‘ ihn wiedererkannt,

[00:08:24] Ist es nicht der, der die Wäsche holt und dir das Essen bringt?

[00:08:24] Ist es nicht der, der deinen Wagen durch die Waschanlage fährt,

[00:08:24] Im Hotel die Messinggriffe putzt, die Hecke schert,

[00:08:24] Der zum Piano in der Bar für angetrunk‘ne Nadelstreifen Gospel singt?

[00:08:24] Immer der, der auf der falschen Stadtseite wohnt,

[00:08:24] Immer den härteren Job und immer schlechter entlohnt,

[00:08:24] Immer der, den man einfach mit "Du" anspricht.

[00:08:24] Immer der mit dem zerschlissenen Overall,

[00:08:24] Immer wach, immer Alarm, immer und überall,

[00:08:24] Immer der mit dem enttäuschten Lächeln im Gesicht.

[00:08:24] "Hast ihm das Fenster nicht mal einen Spaltbreit aufgemacht

[00:08:24] Du hast nur weggesehen, nur weggesehen!" grummelt der V8.

[00:08:24] Und die Air Condition zischelt: "Ein schöner Menschenfreund bist du!"

[00:08:24] Und die Reifen summen: "Hat man sowas schon gesehn,

[00:08:24] Lässt den Bruder auf dem sonnenglüh‘nden Parkplatz stehn!"

[00:08:24] Und die Fugen in der Fahrbahn rumpeln: "So kommst du nicht zur Ruh‘!".

[00:08:24] Vielleicht war es der Messias, der nach zweitausend Jahr‘n

[00:08:24] Noch mal gekommen ist, und du, du hast ihn nicht gefahr‘n,

[00:08:24] Mit deinem chromblitzenden, air-condition-daunenweichen Thron.

[00:08:24] Oh, das kriegst du nicht so einfach wieder gutgemacht,

[00:08:24] Du hast den Bruder nicht nach Haus gebracht!

[00:08:24] Und einem Vater nicht seinen verlorenen Sohn.